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Internationaler Tag der Frauen

Weltfrauentag: Wie können Frauen im Sport gestärkt werden?

Frauentag
8. März 2022

Wie können Frauen im Profisport gleichgestellt und gefördert werden? Zum Weltfrauentag fragen wir uns, was sich bereits getan hat und was noch zu tun ist.

Frauen im Spitzensport

Ursprünge und Gleichstellung im Sport
Heute ist der internationale Tag der Frauen! Und wir fragen uns: Wie sieht es in der Schweiz eigentlich mit dem Frauensport aus? Wie steht es um die Gleichberechtigung und was kann man zur Förderung tun? Wir erkunden die Ursprünge des internationalen Frauentags und zeigen auf, wo es beim Profisport noch Aufholbedarf gibt.

Die Ursprünge des internationalen Frauentags

1. Was ist der internationale Frauentag?

Der internationale Frauentag ist als Initiative verschiedener sozialistischer Organisationen entstanden. Die wichtigsten Anliegen: das Frauenwahlrecht, der Kampf um Gleichberechtigung und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Während die US-Sozialistin May Wood Simons die Idee für einen internationalen Frauentag 1910 zur Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen mitbrachte, initiierten die deutschen Frauenrechtlerinnen Clara Zetkin und Käte Duncker – gegen den Willen ihrer männlichen Parteikollegen – den internationalen Frauentag. Begangen wurde dieser das erste Mal am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz. 1921 wurde der 8. März als offizielles Datum festgelegt.
 

2. Was wird gefeiert?

Am 8. März werden die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte von Frauen gefeiert und die Schritte hervorgehoben, die noch unternommen werden müssen, um Geschlechtergleichheit zu erreichen.
 

Frauentag - Salome

Interview mit Profi-Sprinterin Salomé Kora

Frauentag - Sarah

Interview mit Profi-Sprinterin Sarah Atcho

3. Wie wird gefeiert?

In Ländern wie der USA, Schweiz, Spanien, Deutschland, Australien und Grossbritannien finden teilweise Events wie Konferenzen, Podiumsdiskussionen und Geschäftsveranstaltungen statt. An Demos gilt violett als Symbol für Gerechtigkeit und Würde. In Chile symbolisieren grüne Taschentücher die Unterstützung der sexuellen und reproduktiven Rechte. In Ländern wie Rumänien, Russland und Argentinien werden die Frauen beschenkt. Und in China werden die Arbeitgeber ermutigt, den Frauen einen halben Tag frei zu geben.
 

4. Brauchen wir den Weltfrauentag überhaupt noch?

In einigen Berufen verdienen Frauen auch heute noch weniger als Männer – 2018 waren es im Durchschnitt 19%. Laut Maya Graf, Co-Präsidentin von alliance F, steigen junge Frauen mit 8% weniger Lohn in den Arbeitsprozess ein. Ein Teil der Lohnunterschiede ist auf das Bildungsniveau sowie die Anzahl Dienstjahre zurückzuführen, und ob jemand in einer Führungsposition ist. 45% der Fälle sind jedoch ungeklärt. Was bei diesen Berechnungen vom Bundesamt für Statistik von Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband kritisiert wird: Faktoren wie Erwerbsunterbrüche durch Mutterschaft werden nicht berücksichtigt. Frauen übernehmen immer noch einen grossen Teil des Haushalts und der Kindererziehung. Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Immer noch ein Karrierehindernis.

Gleichberechtigung im Sport

Dabei sein ist alles: Was als inoffizielles Motto der Olympischen Spiele gilt, war nicht immer selbstverständlich. Während an den Olympischen Sommerspielen von Tokio 2021 48,3% der Startplätze für Frauen reserviert waren (und diese dabei ¾ der Medaillen gewannen), waren Frauen 1896 bei den ersten Spielen nur als Zuschauerinnen zugelassen. Erst mit der Zeit durften Frauen an den Wettbewerben teilnehmen: 1928 wurden sie für Leichtathletik und 1976 für Handball zugelassen, 1984 für den Marathon, 1996 für Fussball und 1998 für Eishockey. Seit 2002 dürfen Frauen in den Bob und seit 2012 in den Boxring steigen. Und erst seit 10 Jahren gibt es in allen olympischen Sportarten auch Frauen-Wettkämpfe. Aufholungsbedarf gibt es in Funktionsämtern und im Trainerbereich, wo Frauen nach wie vor stark untervertreten sind.

Beim Fussball fand 1984 die erste UEFA-Fussball-Europameisterschaft der Frauen statt, 1991 die erste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft.
 

Aktive Gleichstellung

((EIGE Europäisches Institut für Gleichstellungsfragen: Gleichstellung im Sport))
Frauen bleiben bei der Entscheidungsfindung aussen vor: Trotz zunehmender Teilhabe am Sport sind Frauen in Macht- und Entscheidungspositionen von Sportverbänden nach wie vor unterrepräsentiert. Sport gilt als Männerdomäne und ist ein traditionell männlich geprägter Sektor. Und: Auch im Berufsstand Coaching haben Männer das Sagen. Laut der Europäischen Kommission sind nur 20–30% aller Sporttrainer Frauen. Diese sind vor allem in Tanz, Gymnastik, Eiskunstlauf und Reitsport vertreten. 
Eine wichtige Rolle spielen auch die Medien, wo Stereotype Frauen oft ins Abseits drängen. 
 

Was wird unternommen?

In internationalen sowie kontinentalen Verbänden in Europa wurden Geschlechterquoten eingeführt, zudem wurden vereinzelt Frauenkomitees geschaffen und in einigen Ländern auf nationaler Ebene freiwillige Ziele umgesetzt. 
In der Schweiz haben Frauen einen besseren Zugang zu Fördergefässen des Leistungssports. Was auch sehr wichtig ist: Die Einsicht, dass der Spitzensport auch Frauen offen stehen muss, hat sich verstärkt.

Was kann noch zusätzlich unternommen werden?
In der sportwissenschaftlichen Forschung befassen sich nur 4% mit Frauenthemen. Heisst: Ein Grossteil der Trainingsausbildung und -lehre ist auf Männer ausgerichtet. Um Frauen bei der Optimierung ihrer Leistung zu unterstützen, wurde deshalb von Swiss Olympic das Projekt «Frau und Spitzensport» ins Leben gerufen.
Und: Zur Verwirklichung einer Gleichstellung können gezielte Massnahmen und Initiativen wie Debatten, Schulungen und Programme umgesetzt werden, um Frauen zu ermutigen, eine berufliche Laufbahn im Sport einzuschlagen.
 

Preisgelder

Dass Frauen im Fussball weniger verdienen als Männer ist bekannt, aber wie sieht es bei anderen Sportarten aus? Eine Recherche von watson zeigt, dass die meisten Sportveranstalter gleich viel Preisgeld ausschütten. Dies gilt zum Beispiel für die Leichtathletik (Diamond League), Beach Volleyball (Gstaad Major Series), Ski (WM-Titel und Abfahrt Lake Louise) und Mountainbike (UCI-Weltcuprennen). Währenddessen gibt es beim Golf (PGA/LGPA Tour) und beim Fussball (Schweizer Meister und Champions League) immer noch frappante Unterschiede. 

Und ja, natürlich müssen hier Zuschauerinteresse und generierte Einkünfte auch in Betracht gezogen werden. Die Geschichte zeigt aber, dass Gelegenheiten erstmal geschaffen werden mussten und immer noch geschaffen werden müssen. Und die Chancen stehen gut, dass 2022 und die nächsten Jahre die Erfolgsgeschichte des Frauensports weitergeschrieben wird.