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Was ist ein Runner’s High?

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20. September 2022

Jeder hat schon davon gehört: Das Runner’s High. Doch was ist ein Runner’s High, wann tritt es auf und was passiert dabei im Körper? Wir klären auf.

Was ist ein Runner’s High?

Als Runner’s High, oder auch Läuferhoch, wird bei Langstreckenläufern und anderen Ausdauersportlern ein euphorischer und schmerzfreier Gemütszustand genannt, der jegliche körperliche Anstrengung vergessen lässt und der das Gefühl vermittelt, «ewig» weiterlaufen zu können.

Typisch für ein Runner’s High ist auch ein Verlust des Zeitgefühls. Zudem rückt das Runner’s High Ängste in den Hintergrund und hinterlässt nach der körperlichen Anstrengung ein Gefühl der tiefen Entspannung.

Fröhliche Frau

Warum nennt man es ein «High»?

Der Zustand der Angstlosigkeit und der von tiefer Entspannung gefolgten Euphorie kann durchaus mit der Wirkung gewisser Drogen verglichen werden. Da die für das Runner’s High verantwortlichen Substanzen vom Körper selbst produziert werden, ist das Runner’s High kein von aussen zugefügter Rausch, sondern ein körpereigener Vorgang, und deshalb, nach heutigem Stand des Wissens, gesundheitlich unbedenklich.



Macht das Runner’s High süchtig?

Obwohl das Runner’s High keine bekannten gesundheitsschädlichen Folgen hat, kann das Verlangen nach wiederholtem Erleben des Runner’s Highs suchtähnliche Züge annehmen. Dies kann bis zu Entzugserscheinungen führen und sich darin äussern, dass die Betroffenen launisch oder gar aggressiv werden.

Wann tritt das Runner’s High auf?

Ein Runner’s High ist keine Selbstverständlichkeit. Viele Ausdauersportler*nnen geben an, noch nie ein Runner’s High erlebt zu haben. Andere erleben es nur selten und wieder andere fast jedes Mal, wenn sie über ihre Leistungsgrenze hinausgehen. 
Deshalb existiert auch keine Anleitung dafür, wie du zu einem Runner’s High kommst. Das Runner’s High setzt meistens dann ein, wenn sowohl Körper als auch Psyche einen fortgeschrittenen Erschöpfungszustand erreicht haben und Aufgeben bereits als valable Option im Raum steht, du aber trotzdem weiterrennst.

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Wieso tritt das Runner’s High auf?

Bis vor relativ kurzer Zeit gingen Wissenschaftler davon aus, dass die Ausschüttung von Endorphinen für das Runner’s High verantwortlich ist. Endorphine werden dann ausgeschüttet, wenn «Schwung in den Körper kommt», der Puls beschleunigt, das Herz schneller schlägt und mehr sauerstoffreiches Blut zu den Muskeln und ins Gehirn transportiert wird.
Obwohl Endorphine nachweislich die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen können, geht man laut neuen Studien davon aus, dass Endorphine keine euphorischen Gefühle auszulösen im Stande sind. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Endorphine die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren können.

Man geht deshalb heute davon aus, dass die psychoaktiven Effekte wie verminderte Angst, Euphorie und das Gefühl der vollkommenen Ruhe während dem Runner’s High auf Endocannabinoide zurückzuführen sind. 

 

Was sind Endocannabinoide?

Endocannabinoide sind körpereigene biochemische Substanzen,  welche die zelluläre Barriere, die den Blutkreislauf vom Gehirn trennt, leicht überwinden können. Das Endocannabinoid-System gehört zum menschlichen Nervensystem und umfasst zwei zentrale Bestandteile: Rezeptoren sowie körpereigene Cannabinoide bzw. Endocannabinoide, welche an diesen Rezeptoren andocken und sie aktivieren können. Endocannabinoide werden jedoch nicht wie die meisten anderen Neurotransmitter in den Nervenzellen gespeichert, sondern erst bei Bedarf hergestellt.

Welchen Einfluss hat das Endocannabinoid-System?

Das Endocannabinoid-System nimmt Einfluss auf verschiedene Körperfunktionen sowie die Aktivierung anderer Neurotransmitter wie GABA, Glutamat oder Dopamin. Da die Forschung auf diesem Gebiet noch relativ jung ist, sind viele Fragen ungeklärt. Man nimmt jedoch an, dass das Endocannabinoid-System beispielsweise angst- und appetitregulierend wirkt und eine wichtige Rolle für die Motivation sowie für kognitive Funktionen spielt. Darüber hinaus können die während einem Runner’s High produzierten Endocannabinoide

  • die Flexibilität und Mobilität erhöhen
  • das Immunsystem stärken
  • die Insulinverträglichkeit erhöhen
  • und bei der Gewichtsregulierung helfen.
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Die mentalen Auswirkungen des Runner’s High

Die mentalen Auswirkungen des Runner’s High enden nicht mit dem Ende des Trainings. Um diese positiven Auswirkungen festzustellen, muss sogar nicht einmal ein Runner’s High erlebt werden. Regelmässiges Herz-Kreislauf-Training generell kann nicht nur das Wachstum neuer Blutgefässe anregen, die das Gehirn mit Nährstoffen versorgen, es kann auch zur Verbesserung der Gehirnleistung führen, dem kognitiven Verfall vorbeugen sowie die Konzentrationsfähigkeit verbessern. Zudem hat regelmässige körperliche Betätigung auch eine antidepressive Wirkung und kann Angstzuständen entgegenwirken.

Fazit

Das Runner’s High ist noch immer ein Phänomen mit vielen Fragezeichen. Zudem gibt es keine Garantie, dass du jemals ein Runner’s High erleben wirst. Es ist jedoch garantiert, dass du nur dann die Möglichkeit hast, eines zu erleben, wenn du auch tatsächlich rennst – und dabei an deine Leistungsgrenze und darüber hinaus gehst. Zudem ist es gar nicht unbedingt notwendig, ein Runner’s High zu erleben, um von den positiven Effekten des Rennens zu profitieren. Denn diverse Studien belegen, dass regelmässiges Ausdauertraining auch ohne Runner’s High das Arbeitsgedächtnis und die Konzentration verbessert, die Fähigkeit verbessert, zwischen Aufgaben zu wechseln und einen positiven Einfluss auf die Gemütslage hat.